Otto Mueller

Otto Mueller | "Sitzendes Mädchen am Waldbach" | Um 1925 | Schätzpreis: € 70.000 | Ergebnis: € 87.500

Im VAN HAM Lexikon der Kunst werden herausragende Künstler der modernen Kunst vorgestellt. Stöbern Sie in den Biographien und überzeugen Sie sich von den Werten der Gemälde auf dem Kunstmarkt.

 

Otto Mueller                                          
1874 Liebbau (Schlesien) - 1930 Breslau

Wenn man Bilder von Otto Mueller sieht, fühlt man sich mit einem Schlage in eine andere Dimension versetzt, in der es keine »Leute« und keine »Welt« gibt, sondern nur Menschen und Natur, Menschen ohne Zeit und Ort, die ein idyllisches, arkadisches, paradiesisches Dasein führen – es ertönt gleichsam ein Klang der Hirtenflöte im lautstarken Konzert des Expressionismus.

Um so erstaunter ist man, wenn sich der Urheber solcher Pastoralen, die voll lichtklarem Lyrismus und empfindungsbewegter Tagträumerei sind, auf einigen Selbstporträts, besonders dem Selbstbildnis von 1921, mit einem fast feindlich-gespannten Ausdruck vor einem Hintergrund von aggressivem Rot darstellte. Dabei zeigte die Kunst von Otto Mueller nichts von revoltierendem Geist. Sie war neu, doch nie unliebenswürdig. Ihre Animalität war freilich den Heucheleien der Gesellschaft konträr; doch diese Auffassung war immer von einer wägenden Besonnenheit gebändigt. Nie gab Otto Mueller sich greller Farbigkeit noch irgendeiner »avantgardistischen« Doktrin hin. Otto Mueller war einsam. Und eben in dieser Einsamkeit mag wohl die Ursache jenes verbitterten Ausdruckes zu suchen sein: als Abwehr eines in sich Versunkenen, vielleicht auch ein wenig als Verbitterung eines zu Lebzeiten zu wenig Anerkannten – den wir heute als einen der wirklich Lebendigen empfinden, während so mancher, der zu jener Zeit im Vordergrund stand, seltsam verjährt erscheint. »Er stellte«, so schrieb Paul Fechter 1950, »einen im feinsten Sinne kultivierten Zigeunertyp dar, der um so seltsamer wirkte, wenn er im Kreise einer Gesellschaft, in einem Sessel versunken, die Augen schloß und sich gewissermaßen aus dem Kreis der Allgemeinheit herausnahm. Um ihn gingen laut und erregt die Gespräche der anderen; er hatte die Augen geschlossen, als ob er schliefe... Es war eine sehr eigene Welt, in der er mit sich, den Frauen und seinem Gefühl lebte.« Zigeunerhaftes umwob ihn. Ob Otto Mueller von mütterlicher Seite her Zigeunerblut in den Adern hatte, stehe dahin. Doch war schon der Knabe verliebt in diese geheimnisvolle Rasse und ihre exotische Welt.

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